Ist dies das Ende des Podcast-Hypes ?

Der Audio-Podcast war in der Mitte des letzten Jahrzehnts die große Innovation. Tausende und abertausende Sender begannen, ihre Audioerzeugnisse ins Internet zu stellen; das große deutschsprachige Podcastportal podcast.de zählt 2011 60000 Mitglieder; aber in den letzten 2 Jahren scheint es um den Podcast nicht nur im E-Learning-Bereich ruhiger geworden zu sein. Die nackten Zahlen z.b. von Wizzard mit über 1,6 Milliarden Downloads im Jahr 2011 sprechen für eine konstante Nutzung des Podcasts. Trotzdem sieht und liest man im Internet oder in Zeitungen deutlich weniger von Podcasts. Was hat den Podcast aus dem öffentlichen Focus verschwinden lassen – oder anders ausgedrückt: Was hat den Podcast „enthyped“?

  • Konkurrenz durch mobiles Internet
    Noch vor 5 Jahren war mobiles Internet meist langsam und teuer. Folglich luden viele Podcast-Konsumenten zuhause die gewünschten Podcasts auf ihren MP3-Player. Mit diesen Audios liessen sich Wartezeiten oder Zugreisen unterhaltsam und/oder informativ verkürzen. Heutzutage klickt sich der moderne User mobil durchs Internet und ist nicht mehr auf einen Podcast als Zeitvertreib angewiesen.

    These 1: Der Podcast wird im Vergleich mit dem mobilen Internet weit weniger als mobile Reiseunterhaltung oder Wartezeitvertreib genutzt.

  • Konkurrenz durch Videos
    Das Übermitteln von Informationen geschieht heute immer öfter durch Videos. Ein Beleg hierfür ist der Siegeszug von Youtube. Heute ist es dank schneller Verbindung einfach geworden, Dateien mit der Grösse von 50 Megabyte herunterzuladen oder zu streamen. Folglich ist es für den User wesentlich interessanter, wenn er zum Ton noch bewegte Bilder bekommt.

    These 2: Video killed the Radiostar – Wenn der Sprecher im Video noch mit grafischen Hilfsmitteln unterstützt wird, können Informationen einfacher und bequemer aufgenommen werden.

  • Erstellung der Inhalte
    Beim Blick auf das grösste deutsche Podcastportal podcast.de zeigt sich, dass nach meinem Empfinden der Bedarf an Podcasts immer mehr von kommerziellen Anbietern (Radiostationen und Fernsehsender) gedeckt wird. Allerdings ist meist sofort hörbar, dass der Podcast zur Zweitverwertung dient. Gerade Interviews aus Radiosendungen werden manchmal eher lieblos ins Netz gestellt (keine Einleitung; Wiedereinstieg nach Musik „Bei mir im Studio sitzt….“; etc.)

    These 3: Der Podcast wird für grosse Medienbetreiber zur reinen Zweitverwertung. Das ist generell nicht verwerflich, aber es nimmt den Inhalten Aktualität und Originalität.

  • Mangelnder finanzieller ROI bei unabhängigen Projekten
    Für unabhängige Podcaster (nicht bei Medienunternehmen beschäftigt) ist es schwierig bis unmöglich, sich den Aufwand finanziell vergüten zu lassen. In den meisten Fällen sind die Podcaster dann doch Amateure (soll auf keinen Fall negativ gemeint sein), die aus reiner Liebe zu ihrem Projekt podcasten. Für Videopodcaster bietet sich die Möglichkeit, langfristig durch ein Youtube-Programm im Erfolgsfall etwas Entlohnung für den Aufwand zu erhalten; bei Audiopodcasts sehe ich diese Möglichkeit noch nicht.

    These 4: Podcasts erzielen zwar viel Traffic, aber setzen wenig Geld um. Viele Amateurprojekte fangen zwar mit viel Euphorie an; aber mangels finanziellem Ertrag sinkt die Frequenz der Podcastveröffentlichungen im Laufe der Zeit.

  • Der öffentliche Fokus richtet sich auf Social Media und Apps
    Nach der Popularisierung des Podcasts haben Medien (Blogger, Zeitungen etc.) nun neue Lieblingsthemen gefunden. Diese Lieblingsthemen zeichnen sich durch einen Hang zur medialen Skandalverwertung aus („Was zeichnet Dein Iphone wirklich auf“; „Prominente twittern“). An dieser Stelle kann und will der Podcast als nüchternes und unspektukaläres Informationsmedium nicht mithalten. Deshalb schreiben Zeitungen lieber über Twitterskandale von Promis.

    These 5: Es gibt viele twitternde Prominente, aber ungleich weniger podcastende Prominenz. Deshalb wird der Podcast weiterhin ein mediales Schattendasein führen.

Fazit:Vermutlich ist es die Mélange aus den vorgestellten Thesen, die dem Podcast seinen Hype-Status genommen haben. Finanzielle Aspekte und die aufkommenden Konkurrenz haben den Podcast weit in der öffentlichen Wahrnehmung zurückfallen lassen.

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