Zum Adobe Captivate 7 Review von RJ Jacquez – meine Anmerkungen

Vor ein paar Wochen erschien das neuste Produkt der Adobe Captivate – Serie, Adobe Captivate 7 auf dem Rapid E-Learning Markt. Wenn jemand sich wirklich mit der Gestaltung und Visionen von Adobe Captivate auskennt, dann ist dies der ehemalige Adobe Sales Evangelist, RJ Jacquez, der sich mit einem Blogartikel „The New Adobe Captivate 7 Marches Backwards into the Future [Review]“. recht kritisch zu dem neusten Captivate-Programm äusserte.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch zu seinen Einschätzungen äussern.

Fast Forward One Year Later

In diesem Abschnitt äussert sich RJ Jacquez zu den Neuerungen von Adobe Captivate 7. Leider seien einige der neuen Features bereits aus Articulate Storyline bekannt. Zusätzlich seien Features wie Math Magic zwar nützlich, aber die Verwendung sehr eingeschränkt. Leidglich die neue TinCan-Funktionalität bekommt von dem mLearning Experten ein Lob.

Meine Ansicht: In diesem Punkt muss ich RJ Jacquez fast uneingeschränkt rechtgeben. Als eifriger User von Articulate Storyline habe ich diesen „schon-mal-gesehen“-Effekt bei mehreren Funktionen gesehen. Auch mit der Verwendung der neuen Features wie die Erweiterung der Barrierefreiheitsfunktionalität (gewiß eine sehr nützliche Sache) oder bei dem Math Magic profitiert in meinen Augen nur eine geringer Benutzerkreis. Bei der TinCan-Funktionalität sehe ich es ähnlich wie RJ Jacquez. Bei den wachsenden Verkaufszahlen von mobilen Endgeräten wird TinCan eine noch gewichtigere Rolle im Elearning-Bereich spielen.

Captivate needs to let go of the past and embrace the new Post-eLearning era

Hier betont RJ Jacquez eine generelle Änderung in der Rapid E-Learning – Welt. Gerade für mLearning ist es unverzichtbar, den Lernoutput für mobile Endgeräte nicht unnötig zu vergrössern. Mit weiteren Interactions würden auch die Bedienung für den User schwieriger werden, weil u.U. Zoomen und Drehen des Geräts notwendig wären.

Zudem kritisierte RJ Jacquez, daß zwar der verbesserte HTML5-Support für PowerPoint-Integration von Adobe beworben würde, aber der HTML5-Tracker immer noch genügend Fehlermeldungen anzeigen würde. Zusätzlich wäre der Ansatz von Captivate immer noch, das alte, desktopfüllende Format einfach auf ein mobiles Endgerät zu verkleinern.

Meine Ansicht: Ja und Nein. Ich kann den Einwand von RJ Jacquez bzgl. Dateigrössen durchaus nachvollziehen. Ein Training, das über 50MB Grösse hat, reduziert den Lernspaß schon bei Übertragung durch ein langsames WLan. Aber hier tritt ein gewisser Zwiespalt auf, denn ich empfinde es durchaus als Gewinn, wenn weitere Interaktionen das Lernportfolio erweitern.

Allerdings stimme ich mit seiner Aussage „My biggest problem is that Captivate (and the team for that matter) is holding on to the past and is risking becoming obsolete.“ nicht ganz überein. Adobe Captivate zählt zu den verbreitetsten Softwaresimulations-Tools in der E-Learning-Welt. Solange Software-Simulationen auf Desktop-Rechnern und Laptops laufen (und da sehe ich noch keine Ablösung), wird die Adobe Captivate – Serie weiterhin weitverbreitet sein.

If your Learning Design calls for Absolute Dimensions, you have already Failed

RJ Jacquez sieht allerdings noch einen weiteren Verbesserungsansatz für die Adobe Captivate – Serie. Derzeitig basieren die Lernprogramme von Adobe Captivate noch auf absoluten Dimensionen, also beispielsweise 1024×768 oder 800×600. So gibt RJ Jacquez zu bedenken, daß er in seinen Workshops stets seinen Zuhörern empfehle, auf Tools mit relativen Zahlen zuzugreifen.

Meine Ansicht: Auf den ersten Blick klingt es recht einleuchtend. Allerdings ist es nicht ganz so einfach. In großen Firmen ist es oftmals unvorhersehbar, welche Hardwareanforderungen gegeben sind. Bei relativen Projekten kann es bei unterschiedlichen Bildschirmauflösungen – bei unpassender Bildkompression – zu unschönen Bildartefakten kommen.

Fazit meinerseits: Es ist immer wieder interessant, die Einschätzungen von RJ Jacquez zu seinem früheren Baby, Captivate, zu lesen. Netterweise nimmt der erfolgliche mLearning-Autor kein Blatt vor den Mund und kritisiert – manchmal nicht zu Unrecht – potentielle Fehlentwicklungen von Adobe Captivate.

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